Ausrüstung
Erste-Hilfe-Set fürs Camping: Was hineingehört
Ein Kfz-Verbandkasten nach DIN 13164 ist die Grundlage, fürs Camping aber zu wenig. Was zusätzlich hineingehört – und welche Nummer europaweit gilt.
Veröffentlicht am 6. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit
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Der Verbandkasten im Auto ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und folgt der Norm DIN 13164. Er deckt einen Fall ab: den Unfall auf der Straße, bei dem der Rettungswagen in wenigen Minuten da ist. Beim Camping liegt der nächste Rettungswagen oft 20 bis 40 Minuten entfernt, und die Verletzungen sind andere – Zecken, Blasen, Schnittwunden beim Holz, Verbrennungen am Kocher.
Die Grundlage: was Pflicht ist
§ 35h StVZO schreibt für Kraftfahrzeuge einen Verbandkasten nach DIN 13164 vor. Der Inhalt umfasst unter anderem Verbandpäckchen in mehreren Größen, Kompressen, Wundschnellverbände, Heftpflaster, ein Dreiecktuch, eine Rettungsdecke, Einmalhandschuhe, eine Schere und eine Anleitung zur Ersten Hilfe.
DIN 13157 beschreibt den größeren Betriebsverbandkasten. Er ist für Betriebe gedacht, eignet sich als Camping-Basis aber besser – einfach, weil mehr Material und mehr Größen darin sind. Wer eine Tasche selbst zusammenstellt, orientiert sich am Umfang dieser beiden Normen und ergänzt dann.
Was beim Camping zusätzlich dazugehört
| Ergänzung | Wofür |
|---|---|
| Zeckenkarte oder Zeckenzange | Zecken in Wald und Wiese – je früher entfernt, desto geringer das Risiko |
| Wunddesinfektionsmittel | Ein Verbandstoff desinfiziert nicht, er deckt nur ab |
| Blasenpflaster und Tape | Fußwege mit schwerem Gepäck |
| Splitterpinzette und Lupe | Holzsplitter, Dornen, Glassplitter |
| Kühlgel oder Stichsalbe | Mücken, Bienen, Bremsen |
| Persönliche Medikamente | doppelte Menge für die doppelte Reisedauer |
| Notfallzettel auf Papier | Kontakte, Allergien, Medikamente – ein leeres Handy hilft nicht |
| Powerbank mit Kabel | für das Handy, das im Notfall das Wichtigste ist |
| Zweite Stirnlampe | Versorgung im Dunkeln braucht beide Hände |
Die Nummer, die überall gilt
112 ist in allen EU-Ländern und in der Schweiz gebührenfrei erreichbar – auch ohne Guthaben auf der Karte, und ohne SIM, sofern ein Netz verfügbar ist. In Deutschland gibt es zusätzlich die Notruf-App nora.
Was im Notfall zählt: Standort nennen. Auf dem Land ist „irgendwo im Wald bei Ortsname" zu wenig. Wer den Zeltplatz kennt, nennt ihn; wer wandert, nennt Wegmarke, Flurname oder die Koordinaten aus der Karten-App.
Zecken: der häufigste Ernstfall
Zecken sitzen in hohem Gras, an Waldrändern und im Unterholz. Sie werden nicht vom Baum fallengelassen, sondern abgestreift.
- Möglichst zeitnah entfernen – direkt an der Haut ansetzen, gerade herausziehen, nicht quetschen und nicht drehen.
- Kein Öl, kein Kleber, kein Brennen. Diese Hausmittel sind überholt und erhöhen das Risiko, dass die Zecke ihren Mageninhalt abgibt.
- Einstichstelle beobachten. Eine sich ausbreitende Rötung um die Stelle gehört ärztlich abgeklärt.
- FSME-Risikogebiete veröffentlicht das Robert Koch-Institut jährlich. In Teilen Süddeutschlands sind ganze Landkreise betroffen.
Unterkühlung und Schock
Die Rettungsdecke gehört zur Grundausstattung und ist kein Zubehör. Sie schützt vor Auskühlung, die auch bei 15 °C und Nässe entstehen kann.
- Betroffene von der Kälte trennen: Isolierung nach unten ist wichtiger als die Decke nach oben.
- Nasse Kleidung weg, in Decken oder Schlafsack einpacken.
- Nicht reiben, keinen Alkohol. Langsam erwärmen, nicht mit Gewalt.
- Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage, Atmung beobachten, 112.
Haltbarkeit: der Teil, den alle vergessen
- Verbandstoffe und sterile Auflagen tragen ein Haltbarkeitsdatum. Sterilität gilt nur bei unbeschädigter Verpackung.
- Einmal im Jahr durchsehen: Datum prüfen, Fehlendes ergänzen, Feuchtes ersetzen.
- Für den Verbandkasten im Auto gibt es in Deutschland keine gesetzliche Nachweispflicht – abgelaufenes Material hilft im Notfall aber trotzdem nicht.
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Was ein Set nicht braucht
Große Sortimente mit 200 Teilen, von denen zehn gebraucht werden. Und alles, dessen Anwendung man nicht geübt hat – Material, das man im Ernstfall nicht bedienen kann, ist Ballast. Ein Kurs in Erster Hilfe ist die bessere Investition als das größere Set.